Zeittafel 2012.

„Doch das Warten vergiftet die Seele. Ich bin nicht der einzige, der schon oft an Selbstmord gedacht hat.“

Farid Mirzaiee, Refugee vom Protestcamp am Brandenburger Tor.

Die wichtigsten Ereignisse der Refugee Proteste in Berlin.

Datum Ereignis
29.01.2012 Der Iraner Mohammad Rashepars nimmt sich in Würzburg das Leben.
05.10.2012 Der Refugee Protest March erreicht Berlin und es wird ein Protest Camp am Oranienplatz errichtet.
13.10.2012 Rund 6.000 Menschen heißen die Refugees in Berlin willkommen und schließen sich der Demonstration durch Berlin an.
15.10.2012 Refugees besetzen die Botschaft Nigerias, um gegen die Zusammenarbeit der Botschaft mit der Bundesregierung bei Abschiebungen zu protestieren. Bei der Räumung kommt es zu gewaltsamen Übergriffen der Polizei
24.10.2012 Auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor wird von den Refugees ein Camp errichtet. Zudem treten einige Refugees in den Hungerstreik.Es beginnt ein wochenlanger Kampf der Flüchtlinge gegen unmenschliche Schikanen und wiederholte Angriffe durch das zuständige Bezirksamt und der Polizei, die teilweise im nachhinein gerichtlich für unzulässig erklärt werden.
31.10.2012 Nach mehrstündigen Verhandlungen mit dem Bezirksbürgermeister von Mitte Dr. Christian Hanke (SPD) und der Polizei dürfen die Hungerstreikenden nicht nur ihre Dauerkundgebung fortsetzen, ihnen wird auch zugesichert, dass Übergriffe der Polizei zukünftig unterbleiben werden. Zudem soll ihnen ein Kältebus zur Verfügung gestellt werden (was jedoch nie passieren wird).
01.11.2012 Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (CDU) besuchte in Begleitung der Berliner Senatorin für Integration Dilek Kolat (SPD) und der Vizepräsidentin des Deutschen Roten Kreuzes Donata Schenck zu Schweinsberg die hungerstreikenden Flüchtlinge am Pariser Platz. Die Flüchtlinge und ihre Gäste zogen sich in die Akademie der Künste zurück, wo eine mehrstündige Unterredung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Dieses Gespräch war Teil der Forderungen der Flüchtlinge für eine Beendigung ihres Hungerstreikes.Als Ergebnis der Verhandlungen beenden die Refugees den Hungerstreik am nunmehr neunten Tag. Ein weiteres Gespräch mit Bundespolitikern ist versprochen.

 

Ruben Neugebauer - visual-rebellion.com

© Ruben Neugebauer, Besetzung der Botschaft Nigerias.

Björn Kietzmann

© Börn Kietzmann, Hungerstreik am Pariser Platz.

Christian Mang

© Christian Mang, Refugee Protest Camp am Pariser Platz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

07.11.2012 Spontan finden sich Fotografen aus Berlin und anderen Städten zusammen und organisieren binnen zwei Tagen eine Open-Air-Ausstellung unter dem Titel “Photographers in Solidarity. The refugee protest – A photography exhibition“.Die Bilder zeigen die Proteste der Refugees von Beginn an und dokumentieren auch ihren Marsch durch Deutschland nach Berlin. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf den Geschehnissen in Berlin.
13. und 17.11.2012 Rechtsextreme möchten das Medieninteresse an dem Refugee Protest Camp am Brandenburger Tor nutzen und halten Kundgebungen auf der Westseite ab. Die Veranstaltungen geraten zum Fiasko, den Rechten stehen hunderte Gegendemonstranten gegenüber und ihre Hetze verhallt ungehört.
16.11.2012 Die Refugees nehmen aus Frust über die Blockadehaltung und Gesprächsverweigerung der Bundesregierung, wie sie sich aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linke ergibt, den Hungerstreik wieder auf.
22.11.2012 Eine Abordnung der Refugees nimt an einer Sitzung des Ausschusses für Innere Angelegenheiten des Bundestages teil. Dies war eine der Bedingungen für den Abbruch des Hungerstreiks. Die Sitzung verläuft jedoch anders, als von den Politikern geplant: anstatt nur Auskunft über ihre persönlichen Schicksale zu geben, stellen die Refugees politische Forderungen. Sehr zum Ärger insbesondere der Fraktionsmitglieder der CDU/CSU.
28.11.2012 Refugees protestieren auf dem Gelände der Iranischen Botschaft gegen das Regime in Teheran. Dabei kommt es zu Beschädigungen an der Botschaft.Es kommt in der nachfolgenden Zeit immer wieder zu Protesten vor Botschaften. So vor der afghanischen, österreichischen, sudanesischen, der des Tschad und anderer.
02.12.2012 Die Refugees beenden ihren Hungerstreik.
08.12.2012 Da die Kälte im Camp am Oranienplatz ein menschenwürdiges Leben nicht mehr zulässt, besetzen die Refugees zusammen mit Unterstützern einen Teil des leerstehenden Gebäudes der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule in der Ohlauer Straße in Berlin-Kreuzberg.
09.12.2012 Die Refugees beenden das Protest Camp am Brandenburger Tor.

 

Christian Ditsch

© Christian Ditsch, Refugee Protest March erreicht Berlin.

© Thorsten Strasas

© Thorsten Strasas, Gerhart-Hauptmann-Schule besetzt.

© Andrea Linss

© Andrea Linss, Interkulturelles Baumfest am Pariser Platz.

 

 

Eine vollständige Übersicht aller von uns dokumentierten Ereignisse von nunmehr über zwei Jahren der Refugee-Bewegung in Berlin, Brandenburg und darüber hinaus ist hier zu finden: Refugees Proteste Chronologie.