Taksim ist überall – überall ist Widerstand

© Thorsten Strasas

© Thorsten Strasas

Es begann mit der Besetzung des Gezi-Parks in Istanbul. Entzündet hatten sich die Proteste an Abrissarbeiten am Rande des Parks und der geplanten Abholzung hunderter Bäume, um Platz zu schaffen für eine neue riesige Shopping- Mall in Istanbul.

Erdogans ehrgeizige Bauvorhaben, dazu gehört unter anderem auch ein geplanter dritter Großflughafen in Istanbul, sind ein Bestandteil seiner wirtschaftsliberalen Politik, die zum Ziel hat, die Türkei unter den zehn wirschaftlich stärksten Nationen der Welt zu platzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, scheinen ihm äußerst fragwürdige Mittel recht und billig. Dazu gehört unter anderem sein zunehmend autokratischer Führungsstil.

Erdogan interpretiert Kritik als Angriff, Mitsprache als unrechtmäßige Störung und Protest als Sabotageakt.

Kritische Journalisten, Künstler und andere Querdenker lässt er unter Terrorverdacht stellen, teilweise einsperren und betreibt damit eine Gleichschaltung der Medien. Neben der Förderung eines Turbokapitalismus, der ganze Bevölkerungsschichten ausgrenzt, treibt Erdogan mit Hilfe der Adalet ve Kalkınma Partisi  (Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung, kurz AKP) den Umbau der Türkei in einen konservativ-islamischen Staat voran. Dafür wird er von der Hälfte der Bevölkerung bejubelt, von der anderen Hälfte kritisiert. Erdogan betreibt durch diese Politik systematisch die Spaltung des Landes – einerseits. Andererseits gab es wohl vorher nie eine so breite Protestbewegung unterschiedlichster Gruppen in der Türkei. Studenten, Schüler, Akademiker, Schuhputzer, Arbeiter, Schwule, Sozialisten und Nationalisten üben den Schulterschluss gegenüber dem fortschreitenden Demokratieabbau durch Erdogan. Einen so starken Zusammenschluss unterschiedlichster Strömungen von „unten“ hatte die Türkei bis dato nicht erlebt.

Johann Stemmler

© Johann Stemmler

Als Erdogan Ende Mai die Parkbesetzer niederknüppeln und ihre Zelte anzünden lässt, weiten sich die Proteste rasend schnell aus. Der Gezi-Park und der angrenzende Taksim-Platz werden zum Zentrum der Proteste gegen die Politik der Regierung. Aus zehntausenden Demonstranten werden hunderttausende in mehr als 40 Städten des Landes. Erdogan erklärt die Protestierenden zu Extremisten, reagiert mit Arroganz, Ignoranz und Härte. Er lässt die Polizeikräfte mit ungeheurer Brutalität gegen die Demonstranten vorgehen. Die Polizei setzt Wasserwerfer, enorme Menge von Tränengas, Plastikgeschosse und Schlagstöcke ein. Ein Teil der Demonstranten antwortet mit dem Bau von Barrikaden, Steinwürfen und Molotowcocktails. Hässliche Bilder von blutüberströmten Demonstranten und brutaler Polizeigewalt gehen um die Welt. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen werden mindestens fünf Menschen getötet und tausende verletzt, viele davon schwer.

Am 11. Juni lässt Erdogan erst den Taksim-Platz und am 15. Juni den Gezi-Park mit gewohnter Brutalität Räumen.

Während der Proteste in der Türkei und der 18-tägigen Besetzung des Gezi-Parks kommt es unter dem Motto „Taksim ist überall, überall ist Widerstand“ auch in Berlin zu unterschiedlichen Protesten.

 

Unsere Dokumentation der Ereignisse in Berlin

 

© Yusuf Beyazit

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Christian Ditsch

© Christian Ditsch

© Florian Boillot

© Florian Boillot

 

 

 

 

 

 

 

Bei den Protesten gestorben sind

  • Selim Önder – 31. Mai 2013
  • Mehmet Ayvalıtaş – 2. Juni 2013
  • Abdullah Can Cömert – 3. Juni 2013
  • Mustafa Sarı (Polizist) – 6. Juni 2013
  • İrfan Tuna – 6. Juni 2013
  • Ethem Sarısülük – 14. Juni 2013
  • Zeynep Eryaşar – 15. Juni 2013
  • Ali İsmail Korkmaz – 10. Juli 2013
  • Ahmet Atakan – 10. September 2013
  • Berkin Elvan – 11. März 2014
  • Burak Karamanoğlu – 12. März 2014
  • Ahmet Küçüktağ (Polizist) – 12. März 2014
  • Uğur Kurt – 22. Mai 2014

 

Infos zu Aktionen in Berlin

Diren Gezi Parki – Occupy Gezi – Berlin Supports [Facebook Group].

 

Ausführlicher Überblick zu den Protesten in der Türkei

Proteste in der Türkei [Wikipedia].

 

Chronologische Übersicht der Geschehnisse in der Türkei

Zeittafel der Proteste in der Türkei 2013 [Wikipedia].

 

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