Archiv für Juni 2014


Anwohner durchbrechen die Absperrungen in Kreuzberg und solidarisieren sich mit den Refugees

Oliver Feldhaus

Am siebten Tag der Belagerung der Gerhart-Hauptmann-Schule durch ein enormes Polizeiaufgebot bricht sich der Zorn der Anwohnenden über die Blockade ihrer Straßen durch die Polizei Bahn.

Nach einer Einwohnerversammlung überwinden die Anwohnenden die gesicherten Polizeiabsperrungen und erobern sich sich ihren Straßen zurück. In einem spontanen Demonstrationszug ziehen die Menschen vor das Tor der Schule und zeigen ihre Solidarität mit den Geflüchteten, die auf dem Dach der Schule ausharren. Auch in den nächsten Tagen demonstrieren die Anwohner in der Ohlauer-, Reichenberger- und Lausitzerstraße mit Transparenten aus ihren Fenstern und vielfältigen Aktionen gegen Polizeigewalt, gegen die Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit, Kontrollen und Schikanen durch die Polizei und für die Forderungen der Flüchtlinge auf Bleiberecht.

Am Abend platzt Polizeipräsident Klaus Kandt der Kragen und die Polizei stellt dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ein Ultimatum bis zum Morgen des nächsten Tages, zu entscheiden, wie es mit der Gerhart-Hauptmann-Schule weitergehen soll. Für den Fall, dass keine Räumung angestrebt wird, wird die Polizei ihren Einsatz beenden.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus und Andrea Linss.

Dritter Tag des Räumungsversuches der Gerhart-Hauptmann-Schule durch das Bezirksamt

Andrea Linss

Die Polizei hat auch am dritten Tag des Gebäude der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule mit hunderten Kräften weiträumig abgeriegelt. Es kommt immer wieder zu Festnahmen und Übergriffen.

Immer noch harren mehrere Dutzend Refugees auf dem Dach und in der Schule aus, um sich gegen die Räumung durch das Bezirksamt Friedrichshain Kreuzberg zu wehren.

Die Arbeit der Presse wird durch bzw. auf Anweisung des Bezirksamtes massiv behindert. Einen Zugang zur Schule zwecks Berichterstattung wird den Journalisten verweigert. Eine Pressekonferenz mit dem Pressesprecher des Bezirksamtes Sascha Langenbach und Baustadtrat Hans Panhoff (Bündnis90/Grüne) gerät zum völligen Fiasko, als sich ein Unterstützer der Refugees zu Wort meldet, von Langenbach arrogant abgebürstet und daraufhin von Polizeikräften brutal festgenommen wird (Video).

Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz vergleicht Langenbach die verzweifelten, friedlich protestierenden Refugees auf dem Dach der Schule mit den hochkriminellen, gewalttätigen Bankräubern und Mördern aus dem Gladbecker Geiseldrama (Video).  Eine Distanzierung zu diesen Äußerungen erfolgt weder durch Hans Panhoff, noch durch die Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann (Bündnis90/Grüne).

Bildmaterial von Oliver Feldhaus, Andrea Linss und Johann Stemmler.

Eindrücke und Bilder vom zweiten Tag der beabsichtigten Räumung der Gerhart-Hauptmann-Schule

Oliver Feldhaus

Das Gelände rund um die Schule wurde von einem Großaufgebot von Polizeibeamten aus Berlin und anderen Bundesländern weiträumig abgeriegelt. Von Polizei und Bezirksamt wurde der Presse der Zugang zum Gelände strikt verwehrt. Die eigene Anschauung der Situation in und auf dem Dach der Schule wurde ebenso unterbunden, wie ein direktes Gespräch mit den Geflüchteten selbst. Um die Öffentlichkeit dennoch über die Lage und Forderungen zu informieren, improvisierten die Geflüchteten und die versammelte Presse eine Pressekonferenz über Skype, die in einer nahegelegenen Bäckerei durchgeführt wurde.

Aus Protest, dass sich die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann bisher nicht zu den Vorgängen geäußert hatte, besetzten etwa 30 Menschen kurzzeitig die Räume vor dem Büro der Bürgermeisterin im Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Die Behörde rief die Polizei und drohte, die Besetzer räumen zu lassen. Nachdem vom Bezirksamt zugesagt wurde, dass die Bürgermeisterin sich persönlich in die Gespräche mit den Flüchtlingen einschalten werde, verließen die Besetzer friedlich das Bezirksamt.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.

Erster Tag der Räumung der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule

Andrea Linss

Nachdem der Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg Hans Panhoff (Grüne) überaus sensibel und passend ausgerechnet zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni den Refugees in der besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg die Räumung in den nächsten Tagen ankündigte, begann diese am Vormittag des 24. Juni mit einem Großaufgebot von rund 900 Polizisten aus dem ganzen Bundesgebiet.

Dabei führten Einsatzhundertschaften aus Thüringen auch Maschinenpistolen mit sich, ein bis dahin recht einmaliges Ereignis bei solchen Einsätzen.

Während sich rund 200 Menschen dem Druck der Polizeistreitkräfte beugten und mittels bereit gestellten Bussen auf verschiedene Heime verteilt wurden, flüchtete ein Teil der Refugees auf das Dach der Schule und harrte dort aus.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus, Björn Kietzmann und Andrea Linss.

 

 

 

Baustadtrat Panhoff droht am Weltflüchtlingstag mit Räumung der besetzten Schule

Christian Ditsch

Am Freitag den 20. Juni 2014 sollte eine Versammlung des Bezirksstadtrats und Leiter der Abteilung Planen, Bauen, Umwelt und Immobilien, Hans Panhoff (Bündnis 90/Die Grünen) mit Bewohnern der von Flüchtlingen besetzten Schule in der Kreuzberger Ohlauerstraße stattfinden. Das Treffen wurde jedoch bekannt und es kamen ca. 100 Unterstützer zu dem Treffen, so dass es nicht in der Schule, sondern im Freien abgehalten werden musste.

Baustadtrat Panhoff wollte eigentlich die Bedingungen für einen Umzug in andere Unterkünfte vortragen: Für mit sog. Hausausweisen registrierte Bewohnern der besetzten Schule gebe es das Angebot des Bezirkes, in andere Liegenschaften umzuziehen. Laut Panhoff bestehe die Alternative darin, dieses Angebot anzunehmen oder nicht anzunehmen. Die Räumung des Gebäudes würde jedoch in Kürze erfolgen. Da ihm die konkreten Pläne und Entscheidungen des Senates aber nicht bekannt seien, können er über den Zeitpunkt keine Angaben machen.

Bei der Versammlung trugen verschiedene Flüchtlinge ihre Anliegen für Asyl, Bewegungsfreiheit und gegen die wiederholten Durchsuchungen und Schikanen durch die Polizei vor. Panhoff erklärte, dass er damit nichts zu tun habe.

Bildmaterial von Christian Ditsch und Oliver Feldhaus.

Protest und Festnahme eines Refugees am Weltflüchtlingstag und Kunstaktion vor dem Reichstag

Oliver Feldhaus

Während einer spontanen Protestaktion vor der Vertretung der EU in Berlin wurde am Weltflüchtlingstag der Refugeeaktivist vom Oranienplatz Patras Bwansi von der Polizei für mehrere Stunden zwecks Personalienfeststellung in Gewahrsam genommen.

Gegen ihn wurde vorgebracht, dass sich nach der Bemalung eines Transparentes der Slogan „Freedom Not Frontex“ durch den Stoff gedrückt und auf dem Pflaster vor der EU-Vertretung abgezeichnet habe. Die Polizei ließ „Freedom Not Frontex“ unverzüglich durch ein Fahrzeug der Berliner Stadtreinigung beseitigen.

Am Abend befand sich Patras wieder am Protestcamp Oranienplatz und berichtete über den Verlauf der Aktion.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.

 

Christian Ditsch

© Christian Ditsch

 

Ebenfalls am Weltflüchtlingstag errichtet der Künstler Hermann Josef Hack zusammen mit der Hilfsorganisation Care-Deutschland Notunterkünfte aus Planen auf die er Bilder zum Thema Flucht gemalt hat vor dem Reichstagsgebäude auf dem Platz der Republik.
Hermann Josef Hack ist ein Schüler des Kunstprofessors Joseph Beus und lebt in Siegburg.

Bildmaterial von Christian Ditsch.

 

 

Demonstration nach Brandanschlag auf das Refugee Info-Zelt am Oranienplatz

Oliver Feldhaus

Nach einem Brandanschlag auf das Info- und Veranstaltungszelt der Refugees vom Oranienplatz in Berlin, demonstrierten etwa 100 Menschen ihre Solidarität mit den Flüchtlingen.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.

Brandanschlag auf Info-Zelt der Refugees am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg

Christian Ditsch

Laut dem Berliner Radiosender Inforadio haben zwei Jugendliche am Donnerstag den 19. Juni 2014 gegen 4.30 Uhr brennende Gegenstände auf das Zelt geworfen. Die Polizei will zur Brandursache nichts sagen.
Das Infozelt wurde als Kompromiss zwischen dem Berliner Senat, dem Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain und den Flüchtlingen am 14. April auf dem Oranienplatz errichtet.

Bildmaterial von Christian Ditsch und Oliver Feldhaus.

Pressekonferenz zur Vorstellung des Lampedusa-Manifests in Hamburg

Jutta Schär

Heute Mittag wurde auf einer Pressekonferenz das Lampedusa- Mannifest vorgestellt. Anwesend waren unter anderem Bela B. von den Ärzten und die Kampnagel -Intendantin Ameli Deuflhard. Unterstützer der Gruppe sind zahlreiche Künstler wie Fatih Akim oder Justus Franz.

Das Manifest kritisiert die Politik und die starre Haltung des Hamburger Senats. Der Sprecher der Gruppe Asuquo Udo sagt, dass ca. 100-150 Menschen der Gruppe in Hamburg unter unwürdigen Umständen auf der Straße leben und das Problem sich seit Auflösung der Winter-Notunterkünfte noch verschärft habe.

Zum Manifest geht es hier.

 

Bilder von Jutta Schär:

Jutta Schär

© Jutta Schär

Jutta Schär

© Jutta Schär

Jutta Schär

© Jutta Schär

Ausstellung: „Ob Nuriye, ob Kalle – wir bleiben alle!“

Regenbogencafe

Vier Fotografen, darunter auch Andrea Linss und Christina Palitzsch, sowie neuköllnbild und Hermann Bach stellen im Regenbogencafé unter dem Titel „Ob Nuriye, ob Kalle – wir bleiben alle!“ aus:

„Die Zwangsräumung der Familie Gülbol im Februar 2013 in Kreuzberg, die von 850 Polizist*innen unter dem Protest von 1000 solidarischen Menschen durchgesetzt wurde und der tragische Tod von Rosemarie Fliess zwei Tage nach Ihrer Räumung, haben das Thema Zwangsräumungen bundesweit in die Öffentlichkeit gebracht.

Seither ist viel erfreuliches geschehen. Vorübergehend hatten in Berlin öffentliche Wohnungsbaugesellschaften Zwangsräumungen ausgesetzt.

Es wendeten sich zahlreiche Betroffene an das Bündnis Zwangsräumungen verhindern, zwanzig drohende Zwangsräumungen konnten abgewendet werden. Auch in anderen Städten haben sich Gruppen gebildet, die gegen Zwangsräumungen Widerstand organisieren.

Schuld sind nicht die Betroffenen, Schuld ist das System, in dem Wohnraum eine Ware ist und Profitinteressen höher gewertet werden, als die existenziellen Rechte der Mieter*innen. Verdrängung, Zwangsräumungen und soziale Ausgrenzung, wir setzen dagegen unsere Solidarität.

Die Ausstellung „Ob Nuriye, ob Kalle – wir bleiben alle!“ dokumentiert einen Ausschnitt des stadtweiten Widerstandes gegen Zwangsräumungen in Berlin.“

Die Vernissage findet am 27.06.2014 um 18:00 Uhr statt.

Mehr Infos zu der Ausstellung des Umbruch Bildarchivs gibt es hier: Regenbogencafé.

Das „Neue Deutschland“ berichtet auch über die Ausstellung: Protest in Bildern.

 

Regenbogencafe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hunderte für Anwendung des §23 für Berliner Refugees

Andrea Linss

Mehrere hundert Menschen protestieren in Berlin für die Anwendung des §23 Aufenthaltsgesetz, der den in Berlin lebenden Refugees ein sicheres Bleiberecht gewährleisten würde.

Im Anschluss an das Gedenken an die Opfer der  „Aktion Arbeitsscheu Reich“ von 1938 an der Rudi-Dutschke-Straße zog die Demonstration zum Oranienplatz.

Bildmaterial von Andrea Linss.

„2. Internationale Çapulcu Parade 2014“ zum Jahrestag der Taksim-Proteste

Oliver Feldhaus

Rund ein Jahr nach dem Aufflammen der Proteste rund um den Taksim-Platz fand in Berlin Neukölln und Kreuzberg die „2. Internationale Çapulcu Parade 2014“ statt. Mehrere hundert Menschen protestieren gegen die Politik von Recep Tayyip Erdoganz und seiner AKP-Regierung, sowie die anhaltende Polizei-Brutalität in türkischen Städten zur Unterdrückung jeglichen Protestes.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.

Manickam Yogeswaran singt für die Refugees auf dem Oranienplatz

Oliver Feldhaus

Der wunderbare Manickam Yogeswaran sang in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ für Nicole Kidman und Tom Cruise. Er spielte auf den größten europäischen Musikfestivals wie dem Montreux Jazz Festival oder dem Glastonbury Festival.
Und heute singt er auf dem Oranienplatz im rahmen von „Roses for Refugees – Everyday!“ für und mit den Refugees! Großartig!!

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.

Noah Hofmann und Peter Molotow treten für die Refugees am Oranienplatz auf

Oliver Feldhaus

Noah Hofmann und Peter Molotow treten im Rahmen der Veanstaltungsreihe „Roses for Refugees“ am Kreuzberger Oranienpatz auf.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.

Roses for Refugees am Oranienplatz mit Jules691 und Amewu

Oliver Feldhaus

Jules691 und Amewu spielen aus Solidarität mit den protestierenden Refugees am Kreuzberger Oranienplatz. Das Konzert fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Roses for Refugees“ statt.

Bildmaterial von Oliver Feldhaus.